Bahnhöfe prägten die bauliche Entwicklung der Gemeinden

Region | 10.04.2016 12:21, KBZ, 0 Kommentare

Am 9. Juni 1856 wurde die Eisenbahnlinie Olten-Zofingen eröffnet, und am 16. März 1857 kam die Strecke Aarburg-Oftringen-Herzogenbuchsee dazu. 20 Jahre später, am 6. September 1877, nahm die Linie Baden Oberstadt-Zofingen ihren Betrieb auf.

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Der Bahnhof Aarburg, wo seit 1856/1857 sich die Bahnlinien Olten–Luzern und Olten-Bern trennen. (Foto: KBZ)

Erste Initiativen, der Eisenbahn auch in der Schweiz zum Durchbruch zu verhelfen, gehen in die Dreissigerjahre des 19. Jahrhunderts zurück. Politische Spannungen verhinderten jedoch anfänglich ein zügiges Umsetzen der vorhandenen Ideen. Deshalb konnte erst am 9. August 1847 die Eisenbahnstrecke Zürich-Baden, die «Spanisch-Brötli-Bahn», in Betrieb genommen werden.

Umstrittene Trasseeführungen

Früh wurde erkannt, dass neben einer Ost-West-Linie auch eine Nord-SüdVerbindung für die Schweiz von grosser Wichtigkeit sein wird. Über die entsprechenden Trasseeführungen waren sich Politik und Wirtschaft, vor allem auch in hiesiger Gegend, jedoch lange nicht einig. So war es beispielsweise umstritten, ob die Strecke Olten-Bern in Aarburg-Oftringen oder aber in Zofingen abzweigen soll. Die topografischen Verhältnisse verlangten schliesslich, die Ost-West-Linie über Murgenthal nach Langenthal zu führen. Die Meinungen klafften auch bezüglich der Strecke Richtung Süden auseinander. Bis Nebikon waren alle gleicher Ansicht, doch hier trennten sich dann die Geister: entweder über Willisau-Wolhusen oder über Sursee nach Luzern. Es wurde hart gekämpft und gestritten, ein Gutachten löste das andere ab - bis es zu der bis heute geltenden Gleisführung kam.

Zehn Bahnhöfe und Haltestellen

Umkämpft waren immer wieder auch die Standorte der Bahnhöfe und der Haltestellen. Heute gibt es in der Region Zofingen deren zehn; dazu wird in den nächsten Jahren noch ein elfter kommen: Oftringen Zentrum. Selbstverständlich war in den betroffenen Ortschaften umgehend erkannt worden, was für eine grosse und starke Bedeutung den Bahnhöfen und den Haltestellen für die künftige Entwicklung des Dorfes oder Stadt zukommen wird - und deshalb wurden die «Bauplätze» nicht einfach dem Zufall überlassen. Am meisten zu diskutieren gaben die Standorte in Zofingen, in Aarburg-Oftringen und in Brittnau-Wikon.

130 Meter weiter westlich

Im November 1854 wurden die Pläne für den Bahnhof Zofingen öffentlich bekannt. Dabei sah die Schweizerische Centralbahn vor, die Trasseeführung und den Bahnhof etwa 130 Meter westlich des heutigen Standorts zu realisieren. Damit waren aber weder die Behörden noch die Bevölkerung einverstanden. Das neue Verkehrsmittel sollte so nahe als nur möglich an die Grenzen der Stadt gebaut werden. Die Argumente von Rauch, Russ und Lärm zogen nicht. Eine Verlegung des Bahnhofs wurde 1906 nochmals aufs Tapet gebracht, und zwar im Zusammenhang mit der Planung der Henzmannunterführung. Um die Steigung auf der Stadtseite von sieben Prozent auf fünf Prozent zu verringern, sollten der Bahnhof sowie die Gleisanlagen um 200 Meter nach Westen disloziert werden. Die Gemeindeversammlung vom 21. Juli 1906 verwarf jedoch dieses Projekt.

Aarburg statt Olten

Offenbar war beabsichtigt gewesen, den Hauptbahnhof der Schweizerischen Centralbahn nicht in Olten zu verwirklichen, sondern im südlichen Teil von Aarburg unter Einbezug des Oftringer Kleinfelds. Diese Idee soll jedoch vor allem von den Aarburger Industriellen bekämpft worden sein, weil sie die Abwanderung von Arbeitskräften in den Bahndienst, jedenfalls aber ein Ansteigen der Lohnforderungen befürchteten (was in der Folge dann trotzdem eingetreten ist).

Um die Frage, wo der Bahnhof letztlich stehen solle, gingen die Meinungen der Gemeinden Aarburg und Oftringen diametral auseinander. In einer entsprechenden Beschwerde an den Aargauer Regierungsrat machte Oftringen geltend, dass Aarburg von der «Krone», die sich damals noch mitten im Städtchen befand, an gemessen, sich um 1700 Fuss näher dem projektierten Bahnhof befinde als die Kreuzstrasse in Oftringen. Oftringen verlangte deshalb, dass der Standort um 850 Fuss mehr südlich verlegt werde. Aarburg widersetzte ich diesem Begehren vehement. Der Entscheid fiel schliesslich zugunsten von Aarburg aus.

Umstrittener Name

Jahrzehntelang engagierten sich Brittnau und Wikon für einen Bahnhof, und es brauchte immer wieder Interventionen von unten nach oben, bis zum 1. Mai 1910 die Eröffnung erfolgen konnte. Allerdings waren in erster Linie in Brittnau, obwohl jahrzehntelang dafür gekämpft worden war, letztlich gleichwohl nicht alle Leute «Feuer und Flamme». So entdeckten beispielsweise einige Bauern in der «Äussern Gemeinde» keinen direkten Vorteil für sie. Aber die Mehrheit der Bevölkerung war schliesslich dafür, und es wurde beschlossen, sich namhaft an den Kosten zu beteiligen: Brittnau mit 40000 Franken und Wikon mit 5000 Franken. Einen Disput gab es um den Namen. Brittnau wollte nur Brittnau, obwohl der Bahnhof auf Boden von Wikon liegt, Wikon «Wikon-Brittnau».

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