Mit dem Willen zu Konsens und Dialog

Reiden | 08.04.2016 10:41, awi, 0 Kommentare

Robi Arnold (SVP), Hans Kunz (CVP) und Bruno Aecherli (IG Reiden) buhlen um die Nachfolge des langjährigen Gemeindepräsidenten Hans Luternauer.

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1/3 Bruno Aecherli

Gleich drei Personen - notabene alles Männer - kandidieren für das Amt des Gemeindepräsidenten in Reiden. Auf die Kandidatur von Bruno Aecherli haben die traditionellen Parteien kurz vor Anmeldeschluss mit Robi Arnold (SVP) und Hans Kurz (CVP) reagiert. Gut möglich, dass der Nachfolger von Hans Luternauer an der Spitze der Gemeinde nicht bereits am 1. Mai, sondern erst nach dem 2. Wahlgang feststeht.

Robi Arnold (SVP) tritt unter anderem deswegen an, weil er der Bevölkerung eine echte Auswahl bieten will. Seiner Meinung nach wäre dies bei der Affiche Aecherli-Kurz nicht wirklich der Fall gewesen. Der 61-jährige Arnold sagt zudem: «Ich bin nicht der, der einfach nur redet, sondern auch etwas machen will» - er möchte Verantwortung in der Gemeinde übernehmen. Das tat Robi Arnold übrigens bereits schon einmal: Vor der Fusion 2006 gehörte er in Langnau der Finanzkommission an. Dass Arnold gerade jetzt für das Gemeindepräsidium kandidiert, hat einen weiteren Grund. Einer seiner vier Söhne hat die Ausbildung zum Landwirt absolviert und kann ihn auf dem Bauernhof gut vertreten. «Jetzt kann ich mir diese Zeit nehmen. Es ist wichtig, dass man nahe beim Bürger ist.»

Arnold wünscht sich ein kollegiales Verhältnis im Gemeinderat und dass das Team funktioniert. «Es braucht immer einen gemeinsamen Nenner.» Stets solle um es die Sache gehen, betont er. Würde er Gemeindepräsident, sei zudem der «Draht nach Luzern» gesichert. Mit dem Abgang von Gemeindepräsident Hans Luternauer aus der Kommunalbehörde droht dieser wichtige Kontakt abzureissen, befürchtet der SVP-Kantonsrat. Aus dem Volk habe es zudem Stimmen gegeben, die ihn zur Kandidatur ermuntert hätten.

Das Geld der Bürger

Ein Hauptaugenmerk würde Arnold auf die Finanzen legen: «Was wir uns nicht leisten können, dürfen wir auch nicht anbieten.» Er selber habe als Privater erfahren, wie es sei, mit wenig oder nichts anzufangen, als er im Alter von 18 Jahren den Hof übernommen habe. «Man sollte nur kaufen, für was man das Geld hat.» Schliesslich sei das Geld der Gemeinde das Geld der Bürger. «Und die haben das Recht dafür, dass das Geld am richtigen Ort ausgegeben wird.» Entscheide solle man nur treffen, wenn sie gut überdenkt seien. Robi Arnold ist sich bewusst, dass in Reiden zünftig in die Infrastruktur investiert werden müsste. Besonders Strassen und Kanalisation seien betroffen. Das könne man allerdings nicht alles innerhalb einer Legislaturperiode erledigen. Aber er warnt: «Wer nicht damit beginnt, kommt nie ans Ziel.»

Auch Hans Kunz (CVP) verfügt bereits über kommunale Behördenerfahrung. Seit 2013 führt er in Reiden die Controllingkommission, war langjähriger Parteipräsident in Langnau und Reiden und Grossrat. Kunz wirft darüber hinaus auch sonst einiges an Erfahrung in die Waagschale: Seit 2011 ist er Zentralpräsident der Schweizerischen Metall-Union (SMU), seit 2013 Vizepräsident der Europäischen Metall-Union. 30 Jahre führte der heute 64-Jährige die H. Kunz Landtechnik AG. Die Lebenserfahrung hat ihn Konsensfähigkeit gelehrt. «Für mich ist ein Kompromiss kein Zeichen der Schwäche, sondern ein Beitrag zu einer guten Lösung.» Doch auch Hans Kunz sind die Probleme in der Reider Politik nicht entgangen. «In unserer Gemeinde läuft einiges schief, auch auf der emotionalen Ebene. Es gibt ein Misstrauen aus der Bevölkerung», konstatiert er.

Gewisse Dinge seien vonseiten des Gemeinderates nicht immer optimal gelaufen. Deshalb erklärt er: «Ich sehe eine Aufgabe darin, das Vertrauen in die Behörde wiederherzustellen.» Die finanzielle Schlagseite der Gemeinde ist auch für Hans Kunz ein Thema. «Wir haben eine sehr hohe Prokopfverschuldung» und erreichen nur mit Mühe ein ausgeglichenes Budget.» Es finde keine Schuldenrückzahlung statt, frisches Kapital werde aufgenommen. «Das hat eine obere Grenze erreicht, die nicht übertroffen werden sollte.» Für ihn ist deshalb die Frage zentral, wie man aus der finanziellen Misere wieder hinauskomme.

Qualitatives Wachstum

Hans Kunz attestiert Ressortleiter Bruno Aecherli und Finanzchef Thomas Huber fachlich gute Arbeit. «Die Controllingkommission hatte Vorschläge parat, die aber nicht angepackt wurden. Wir sind auf taube Ohren oder dann halt Überforderung gestossen», sagt der CVP-Mann. Hans Kunz wünscht sich für Reiden ein qualitatives Wachstum. Auch seien Firmen mit einer hohen Wertschöpfung in der Gemeinde gefragt. Umsetzen möchte er zudem, dass die Verwaltung, die gut arbeite und qualifiziert sei, etwas dienstleistungsorientierter aufgestellt sei. «Hier sehe ich noch Optimierungsbedarf», erklärt Kunz.

Bruno Aecherli, der als seit 2014 amtierender Gemeinderat und Kandidat der IG Reiden ins Rennen steigt, reizt beim Amt des Gemeindepräsidenten die Einflussnahme auf die Taktgebung und Agendaführung bei wichtigen Themen. Seine Stärken seien begeisternd und auch verbindend zu wirken, so Aecherli. «Eine politische Kultur kann nur im Dialog stattfinden.» Er räumt aber trotzdem auch ein, dass er ein Mann der klaren Worte sei und die Wahrheit manchmal nicht immer einfach zu ertragen sei. «Das sind Grundwerte, nach denen ich erzogen worden bin und nach denen ich lebe», sagt er dazu. Bruno Aecherli ist ein überzeugter Einwohner des Dorfes: «Ich bin Reider, ich lebe in Reiden, ich glaube an Reiden.»

Mit knapp über 42 Jahren ist Aecherli der jüngste der drei offiziellen Kandidaten, darf aber auf eine langjährige Berufskarriere im Bankensektor hinweisen und betreibt seit 2014 selbstständig eine Immobilien- und Finanzberatungsfirma. Auch Bruno Aecherli fordert, dass es in Zukunft in Reidens Gemeindepolitik wieder um Inhalte geht. «Ich bin überzeugt, dass der Gemeinderat in neuer Zusammensetzung Sachpolitik machen will», schaut er in die Zukunft. Er sieht die Behörde als Zweckgemeinschaft, die im Dienste der Bevölkerung zu stehen hat. «Wer ist der Auftraggeber des Gemeinderates? Der Souverän, die Bürger.»

Strategie notwendig

Neben der Gesundung der Finanzen, für die er auf der Ausgabenseite eine konsequente Abwägung von wünschbaren und notwendigen Investitionen vorsieht, will Bruno Aecherli aber auch andere Schwerpunkte setzen. Eine Auslegeordnung und eine Strategie seien für die Gemeinde notwendig. Ein Augenmerk gilt der Infrastruktur. Dann soll der Industrie gute Rahmenbedingungen geboten werden. Gedanken macht sich Aecherli auch über die Zukunft der Badi Reiden. «Ist es eine regionale Aufgabe? Das muss man unbedingt hinterfragen und regeln.» Bruno Aecherli bezeichnet sich als Person, die hinschaut und Entscheide treffen will. Und Aecherli fordert Kontinuität: «Reiden braucht jetzt junge, dynamische Leute. Gemeinderäte, die mindestens acht Jahre durchhalten.»

 

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