Miteinander reden statt schweigen – das schafft Verständnis

Brittnau | 16.01.2016 13:21, mif, 1 Kommentar

Wochenkommentar von ZT/LN-Chefredaktor Michael Flückiger über die Schwierigkeit des Dorfes Brittnau, 15 Asylsuchende unterzubringen.

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Michael Flückiger (Foto: ran)

In Brittnau gibt es Leute, die nicht mehr miteinander reden. Die einen hatten sich an der letzten Gemeindeversammlung vom 27. November dafür ausgesprochen, im Hausacker eine Containerlösung für Asylsuchende zu erstellen. Die anderen waren dagegen. Und wie das bei einer Gemeindeversammlung so ist: Alle sahen, wer die Hand für ein Ja oder ein Nein in die Höhe hielt. Die Containerlösung fand kein Mehr. Also blieb nur die Zivilschutzanlage übrig.

Die Motive der Einzelnen bleiben unklar. Die einen mochten sich gedacht haben: Wohnungen finden wir offenbar doch keine, die Zeit drängt, eine Containerlösung ist noch immer besser als die Zivilschutzanlage. So haben wir eher noch Chancen auf Familien, beissen wir in diesen sauren Apfel. Andere mochten gedacht haben: Eine Containerlösung schafft nur ein Getto hinter hohen Zäunen, ist nicht nachhaltig. Die Asylsuchenden werden so stigmatisiert und nicht richtig integriert. Die Zeit drängt zwar, besser aber jetzt die Containerlösung ablehnen und die unbefriedigende Zivilschutzlösung in Kauf nehmen. Vielleicht bequemt sich doch noch der eine oder andere Vermieter dazu, eine Wohnung zur Verfügung zu stellen.

Beide Gedankengänge sind nachvollziehbar, aber deswegen noch nicht repräsentativ. Dessen ungeachtet: Die Brittnauer mussten einen undankbaren Abwägungsentscheid treffen. Asylsuchende aufzunehmen wie andere Gemeinden auch, war das Gebot der Stunde. Wunschlösungen standen nicht zur Verfügung. Es galt den bestmöglichen Entscheid zu fällen. Die Krux eines solchen Abwägungsentscheids: Er fällt härter aus als intendiert. Damit es vorwärtsgeht, war er trotzdem erforderlich. Entscheide haben ihren Preis. Wer diesen bewusst in Kauf nimmt, übernimmt Verantwortung.

Was von der Abstimmung bleibt: Einige Brittnauer reden nicht mehr miteinander. Das ist verhängnisvoll. Denn wer nicht mit dem Gegenüber spricht, mit ihm Gedanken, Befürchtungen und Ideen für Lösungen teilt, will weder verstehen, noch verstanden werden. Das klingt nicht so recht nach «Brittnau – mis Dorf». Seither wagen sich viele Brittnauer nicht mehr, ihre Haltung kundzutun. Wer will schon Öl ins Feuer giessen? So konnte sich viel Unmut anstauen. Ergossen hat er sich schliesslich über den Gemeinderat. Obwohl dieser weiter nach Lösungen gesucht hat. Was die Bürgerinnen und Bürger auch von einem Gemeinderat erwarten dürfen. Am Uferweg hat er einen Hausteil erworben, wo er zwei Wohnungen einrichten will. Zudem hat er an der Zofingerstrasse in einem Mehrfamilienhaus eine Wohnung gemietet. Das hat heftige Kritik ausgelöst. Kritiker fühlten sich als Steuerzahler hintergangen. Von wegen: Die Abgeltungen vom Kanton decken die laufenden Kosten. Zudem lässt sich das Haus am Uferweg wieder veräussern. Die Kritik ist nicht stichhaltig.

Um Klarheit in die Sache zu bringen, lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten. Ganz nüchtern betrachtet, ist die Unterbringung in Zivilschutzräumen die schlechteste Lösung, weil so nur anhaltend junge Männer ein- und wieder ausziehen. Von Integration lässt sich da kaum sprechen. Container haben schon mehr für sich, weil so auch Familien eine Bleibe finden. Der Nachteil: Diese Lösung stellt die Asylsuchenden eher aus, als sie zu integrieren. Wohnungen sind die unbestritten beste Lösung. Verteilt auf verschiedene Standorte können sich Asylsuchende wie selbstverständlich in die Gemeinschaft einfügen. Zofingen hat zusätzlich zum Asylzentrum beim Spital mit über 120 Personen mehrere Wohnungen mit Asylsuchenden besetzt. Sie sind kein Thema. Sie stören niemanden.

Solches ist auch in Brittnau möglich. Nur braucht es dafür Zeit. Die Bewohner der Zofingerstrasse 7 sind «tief traurig» und «enttäuscht» darüber, dass der Gemeinderat seit dieser Woche bei ihnen kurzfristig eine fünfköpfige Familie aus Afghanistan in einer 3½-Zimmer-Wohnung einquartiert hat. Die Gegenargumente liegen auf der Hand: Seine Nachbarn kann sich niemand aussuchen. Der Umgang mit ihnen kann unbesehen jeder Nationalität schwierig oder angenehm sein. Und oft genug trägt man selber dazu bei. Nur: Diese Argumente werden der Hilflosigkeit dieser Enttäuschten nicht gerecht. Sie fühlen sich allein gelassen. Aber: Sind sie es wirklich?

Die letzten Wochen haben gezeigt: Die Hilflosigkeit grassiert überall im Dorf. Jeder weiss: Es darf keine Hexerei sein, 15 Personen in Wohnungen unterzubringen. Und doch ist es ein Hängen und Würgen. Die Brittnauer sollten sich ihre Überforderung eingestehen. Das löst die Zungen. Das schafft Verständnis. Das eint und trägt zu Lösungen bei.

Brittnau hat jetzt die Chance, zu beweisen, dass «Brittnau – mis Dorf» kein leeres Versprechen ist.

Kommentare (1)

B. Kerzenmacher
am 15.08.2016 um 20:04Uhr
Die angeblichen "Flüchtlinge" haben von den Schleppern und den hiesigen "Refugees welcome"-Aktivisten ein Haus, ein Auto und sofortigen Wohlstand versprochen bekommen. Da dies nicht realistisch ist, wird die Unzufriedenheit bald überkochen. In Europa haben Politiker den Bürgern im Gegenzug hochqualifizierte, talentierte, fleissige Facharbeiter versprochen. Wenn all diese Seifenblasen platzen, dann…

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