Ich habe fertig!

Zofingen | 22.05.2014 00:00, zto, 0 Kommentare

Kurse bedeuten normalerweise stundenlanges Ausharren auf unbequemen Stühlen. Da stellt die Zwei-Phasen-Ausbildung – seit kurzem obligatorisch für alle Neulenker – eine erstaunlich unterhaltsame und lehrreiche Ausnahme dar.

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Dass man nicht zwangsläufig ein guter Autofahrer zu sein braucht, wenn man den Führerschein gemacht hat, weiss ich aus eigener Erfahrung. Wie wenig Ahnung man aber effektiv vom Autofahren hat, habe ich erst gestern im ersten von zwei Ausbildungstagen der Zwei-Phasen-Ausbildung gemerkt. Um es mit den Worten des ebenso lustigen wie kompetenten Kursleiters Daniel Menzi zu sagen: Es ist erstaunlich, wie wenig man in die Ausbildung von Autofahrern investiert wird, verglichen mit Ausbildungen für andere Tätigkeiten, bei deren Ausübung man nicht halb so viel Schaden anrichten kann wie ein unfähiger Autofahrer.

Es fängt bereits damit an, wie wir – und damit meine ich eigentlich alle in diesem Kurs – das Lenkrad in die Finger nehmen. Überkreuzen, Klammergriffe von unten, einhändige Coolio-Variante, Aufstützen von oben, Nachfassen in 10-Zentimeter-Schritten… die Liste unserer ineffizienten und gefährlichen Steuer-Varianten ist ebenso lang wie lächerlich.

Noch schlimmer wird’s, als wir in Sechsergruppen einen Slalom mit unseren Autos fahren müssen, bei dem das sogenannte «Reissverschluss—System» angewandt werden sollte. Katastrophe! Der Versuch, auf dem Rundkurs konstant 35 zu fahren: Katastrophe! Beherzte Vollbremsung mit 50: Katastrophe! Abschätzen des richtigen Abstandes, damit man bei 50 km/h dem Vordermann nicht in den Arsch fährt, falls er mal abrupt bremsen sollte: Katastrophe! Zum Glück gibt’s auch in diesem Kurs den obligaten jungen Mann mit Asi-Slang, der die Runde mit total bescheuerten Bemerkungen und Fragen, die tief in die Leere seines Kopfes blicken lassen, bei Laune hält. Beispiel gefällig? «Ehhh Minggia, letschte Woche so met Lamborghini vo Scheff, Nadle so 250, 290, 300 bis Nadel 315 minggia!». Aha! Derselbe junge Mann zum Thema «SMS am Steuer schreiben»: «Esch voll ke Problem wenn chasch fahre …!» Ich: «Was verstehst du genau unter ‚fahren können‘?» Er: „«250 mit einer Hand, de chasch fahre Mann!»

Interessanter als das Studium des Innenlebens des jungen Mannes ist nur noch der Programmpunkt 2 am Nachmittag: Kurventechnik. Bisher machen wir, kurz zusammengefasst, so ungefähr alles falsch in der Kurve. Wir schalten runter vor der Kurve, bis die Drehzahl im Roten ist, lassen dann mitten in der Kurve das Gas los und wundern uns, warum der Wagen dann die Schnauze in den Boden senkt und die Hinterräder ausscheren. Wir fahren die Kurve zu schnell an und bremsen dann in der Kurve progressiv (und erreichen damit das oben bereits erwähnte Resultat). Wir können nichts und dürfen alles – das ist eine gefährliche Mischung!

Zum Thema Nicht-Wissen noch eine kleine Bemerkung: was ich nicht wusste und erst am Mittag erfahren habe, ist die kleine Nebensächlichkeit, dass ich die 2-Phasen-Ausbildung gar nicht absolvieren müsste, weil ich vor 12 Jahren bereits ein Mal einen Lehrfahrausweis besessen habe. Verstehen tu‘ ich das zwar nicht, aber muss ich das überhaupt? Mit anderen Worten: Meine Ausbildung zum Autofahrer ist nun beendet. Jetzt fängt das Lernen an!

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