In der Ruhe liegt die Kraft

Zofingen | 26.03.2014 10:16, zto, 0 Kommentare

Lange dauert das Abenteuer «Führerschein» nicht mehr. Ich habe viel gelernt, am meisten über mich selber. Nicht alles, was ich an mir (wieder-) entdeckt habe, hat mir gefallen.

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Wie jede Schule ist auch das Autofahren eine Art Lebensschule. Interessant sind nicht jene Dinge, die einem von Natur aus liegen, sondern alles, was einem gegen den Strich geht. Und beim Autofahren ging mir, vor allem zu Beginn, sehr vieles gegen den Strich. Längere Zeit am selben Ort still zu sitzen alleine verlangt mir einiges ab (darum sind Kinobesuche für mich der Horror). Mich auf eine einzige Sache zu konzentrieren, fiel mir immer schon schwer. In der Schulzeit habe ich oft mehr oder weniger gleichzeitig Gitarre gespielt, an meinem BMX rumgeschraubt, Essen zubereitet und Lateinwörter gelernt. Wir nennen das heute grossspurig «Multitasking» und vergessen meistens zu erwähnen, dass Verschiedenes gleichzeitig zu tun in der Regel bedeutet, dass man nichts richtig tut.

Autofahren hat mich fast schon mit Gewalt dazu gezwungen, mich auf eine Sache zu konzentrieren. Wenn ich die Lateinwörter nicht 100% beherrschte oder die Tomatensauce anbrannte, so ging die Welt nicht unter. Beim Autofahren hingegen kann Unachtsamkeit schnell Folgen haben, die einem selbst und anderen den Rest des Lebens verderben. Die halbe Miete beim Autofahren ist das überlegte, ruhige, aber bestimmte Agieren und Reagieren. Meine Spezialität war Zeit meines Lebens das Über-Reagieren, und zwar sowohl verbal wie auch körperlich. Natürlich weiss ich das schon lange, aber nie hatte mein fahriges, feuriges und leicht unkontrolliertes Verhalten so grosse (negative) Auswirkungen wie nun im Strassenverkehr.

Meine Vorbereitung auf die Prüfung besteht darum nicht darin, einmal quer durchs Land zu kurven. Ich versuche es lieber mit ein paar mit ein paar beruhigenden Yogaübungen, die mir meine Frau zusammengestellt hat. Dabei gehe ich mental bestimmte Szenarien aus dem Strassenverkehr durch, immer und immer wieder, bis sich ein geordneter Gedankenstrom ausbildet und eine innere Ruhe und Zuversicht einkehrt, die ich im Idealfall auch in hektischen Situationen auf der Strasse wieder abrufen kann. Ob’s hilft, werden wir sehen. Sollte es beim ersten Versuch nicht klappen, so bleibt mir wenigstens ein Trost: ich kann mich auf ein paar weitere fröhliche Stunden mit Lehrer Andy freuen, der mir in den letzten Monaten richtig ans Herz gewachsen ist, obwohl oder gerade weil er mir regelmässig die Leviten lesen muss.

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