Fahrtherapie statt Paartherapie

Zofingen | 12.03.2014 10:26, zto, 0 Kommentare

Ehepartner gelten nicht als die ideale Wahl, wenn es ums Autofahren-Lernen geht. Das könnte daran liegen, dass normalerweise der Mann die Frau instruieren will und nicht umgekehrt.

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Autofahren besteht fast ausschliesslich aus Routine und Praxis. Da liegt es nahe, dass man neben den Fahrstunden privat übt, es sei denn, man hat genug Kleingeld, um 150 Fahrstunden zu bezahlen. Ich selber habe das Üben bis vor Kurzem aus verschiedenen Gründen gemieden. Als Gewohnheitstier tut man sich mit Veränderungen generell schwer, und ich war und bin nun mal kein Autofahrer. Ich habe zudem ein Problem mit dem Gedanken, sinnlos durch die Welt zu kurven, nur weil ich üben sollte. Insgeheim habe ich aber das Üben auch vernachlässigt, weil ich befürchtet habe, meine Frau könnte sich eventuell ärgern, weil mein Talent fürs Autofahren ja wahrhaftig begrenzt ist.

Nun, letztere Befürchtung hat sich als unwahr erwiesen. Was meine Frau, das habe ich gleich bei der ersten gemeinsamen Fahrt in den Brittnauer Coop gemerkt, empfindet, während ich neben ihr am Steuer sitze, ist keineswegs Ärger – es ist Angst! Als ich das begriffen habe, war ich plötzlich willig und motiviert, so viel als möglich zu üben. Das mag seltsam tönen, ich weiss, aber sehen Sie es mal so: In einem Auto auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen ist Vertrauenssache. Dass es ebenfalls Vertrauenssache ist, jemanden zu heiraten, brauche ich wohl nicht näher zu erläutern. Sowohl beim Autofahren wie auch in der Ehe geht es folglich darum, das Vertrauen, das in einen gesetzt wird, nicht zu enttäuschen. Dass meine Frau (ohne Zwang!) neben mir auf dem Beifahrersitz Platz nimmt, heisst ja, dass sie mich grundsätzlich für fähig hält, so zu fahren, dass wir beide überleben. Das ist schön und motivierend!

Seither haben wir einige Sonntags-Ausflüge unternommen. Meine Frau braucht während dem Fahren eigentlich gar nichts zu sagen, es reicht schon, wenn sie in ihrem Sitz erstarrt, um mir zu signalisieren, dass ich jetzt beinahe einen abgeschossen hätte im Kreisel. Klar, ab und zu gibt sie auch Laute von sich, zum Beispiel, wenn ich ein Rotlicht übersehe (was zum Glück erst ein Mal der Fall war). Mein Job ist es darum in erster Linie, dafür zu sorgen, dass sich meine Frau entspannt, und das tut sie erst, wenn ich den Eindruck erwecke, alles unter Kontrolle zu haben. Letzthin habe ich sie dabei ertappt, wie sie gedankenverloren aus dem Fenster geschaut hat, während ich gemütlich mit 60 km/h Richtung Dagmersellen gerollt bin, da wusste ich, das es vielleicht doch gut kommen könnte mit mir und dem Autofahren. Und mit der Prüfung.

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