Der Kreisler

Zofingen | 05.03.2014 10:05, zto, 0 Kommentare

Im Theorieunterricht waren die Kreisel etwas vom Harmlosesten, weil simpel und einleuchtend. In der Praxis taugen Kreisel weit weniger, weil Schweizer Autofahrer offenbar mit ihrer Einfachheit überfordert sind.

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Kreisel, vor allem mehrspurige, gelten hierzulande als schwierig. Die Kreisverkehrstradition der Schweiz ist auch nicht besonders lang, vergleicht man sie etwa mit Frankreich, England oder Deutschland. Frankreich, wo bereits 1907 ein Kreisverkehr um den Arc de Tromphe eingerichtet wurde, ist quasi «Kreisel-Weltmeisterin». Mehr als die Hälfte aller Kreisel der Welt befinden sich in Frankreich, das sind mehr als 20‘000! Wie viele Kreisel in der Schweiz die Verkehrsteilnehmer beunruhigen, konnte ich leider nicht eruieren, aber eines steht fest: es werden immer mehr!

Oftringen zum Beispiel ist zu einem richtigen Kreisel-Eldorado geworden. Kommt man von Safenwil her, so passiert man drei (!) Kreisel, bis man zur «Mutter aller Kreisel», dem «Wirtshüsli-Kreisel», vorgedrungen ist, der sage und schreibe zwei Spuren vorweisen kann und damit in den Augen vieler Automobilisten so ziemlich das Schlimmste ist, was wir in der Region zu überstehen haben. Dabei wäre es so einfach: Wer nach rechts abbiegen oder geradeaus will, nimmt die äussere Spur, wer nach links abbiegen will, sprich: die dritte Ausfahrt nehmen möchte, wählt die innere Spur. Wer letzte Variante wählt, muss beim Ausfahren aus dem Kreisel die äussere Fahrbahn kreuzen, und genau darin sehen viele das grosse Problem: Die Verkehrsteilnehmer auf der äusseren Fahrbahn haben nämlich Vortritt, darum muss, wer von der inneren Spur rausfährt, erstens die Augen offen halten (was so oder so empfehlenswert ist beim Autofahren) und zweitens blinken (was obligatorisch ist beim Verlassen eines Kreisels).

Was ich noch loswerden muss: Es ist sinnlos, beim Einfahren in den Kreisel zu blinken! Trotzdem ist es in der Schweiz nicht verboten (im Gegensatz zu Deutschland) und wird auch gerne gemacht. Rechts blinken beim Einfahren in einen Kreisel sollte man wirklich nur dann, wenn man gleich die erste Ausfahrt nimmt. Das obligatorische Blinken beim Verlassen des Kreisels hingegen wird häufig unterlassen, was für jene, die darauf warten, in den Kreisel einzufahren, äusserst mühsam ist. Dieses Verhalten erklärt auch, warum der Kreisel in der Schweiz seinen eigentlichen Zweck – nämlich den Verkehr flüssiger zu gestalten – in der Regel verfehlt. Selbstverständlich liegt es nicht an uns, dass wir den Kreisel nicht verstehen. Was weder einen Anfang, noch ein Ende hat, das kann ja nicht funktionieren, oder?

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